Genre: Easy-Listening, Singer-Songwriter
Label/CH-Vertrieb: Gentlemen Records
Unsere Wertung:
Alice`s adventures in Wonderland OST
Das Geheimnis des kurzbehosten Hasen ist gelüftet: Fauve ist
Jim Morrisons alte Handpuppe, die nach sittlicher Erziehung durch Mary
Poppins mit dem Synth in die Welt hinauszog, um Titelmelodien für 50er
Jahre Musicals zu schreiben.
Fauve ist fantastisch. Ein schräger Höhepunkt der Schweizer und überhaupt der ganzen Musikszene, dem garantiert nie der grosse Erfolg zuteil wird, der sich aber bei Einzelnen ganz tief in die Herzen spielen wird. Ein Kandidat für die ewigen Lieblinge, ein Geheimtipp, wie man ihn hinter einem skurrilen Cover wie diesem zu entdecken hofft. Ein musikgewordener Traum von Schmetterlingen über der Blumenwiese. Kaum ist man von „Cyberbite“ betört worden, schwebt man mit „Suddenly Summer Lasts“ auch schon hinein in die stimmungsvolle Wärme dieses verspielten Meisterwerks. Trotz der vielen elektronischen Elemente klingt alles „echt“, nach liebevoller Handarbeit. Musik und Gesang wirken naiv friedlich, erinnern mit ihrer schmachtenden Dramatik und den pointierten Effekten an US-Songwriter der 60er Jahre. Widerholungen gibt es kaum, die Songs spinnen sich weiter, werden von vielen verschiedenen Instrumenten getragen, darunter auch eher rare Erscheinungen wie Harfe oder Klarinette. Immer in dieser harmlosen Unschuld einer Gesangseinlage aus einem alten Disneyzeichentrickfilm. Dem Hörer erscheint’s irgendwie altbekannt, irgendwie auch völlig neuartig, merkwürdig und doch vertraut. Die Hälfte der Lieder schliesst man sofort ins Herz, die andere Hälfte lernt man schnell lieben, weil man glaubt, man verstehe wie sie gemeint seien. Obwohl alle Songs eindeutig derselben Prägung folgen - Fauve einen unverkennbaren eigenen Stil hat - unterscheiden sie sich im Einzelnen doch recht stark. Simple Pianoballaden, Songs wie „The Analyst“ die stärker auf rhythmische Elemente setzen oder „Silent Witness“, welches mit dem vereinnahmend dunklen Klang einer Akustikgitarre und einem funky Beat eher ernsthaft wirkt. Fauve ist vielschichtig, verträumt, mehr speziell als anspruchsvoll. Gefallen wird es wohl denjenigen, die ausserhalb der üblichen Muster denken können. Die lieber auf der Strohmatte auf dem Hügel liegen, als auf dem Badetuch am Strand und mit Farbstiften mehr anfangen können als mit Adobe Photoshop.
Seit 18. Mai 2006 im Handel.
Anspieltipps: Silent Witness; Suddenly Summer Lasts; The Milkman`s Wife; Cloudy
Trackliste: 1) Don`t Just Stand There; 2) Cyberbite; 3) On/Off; 4) Suddenly Summer Lasts; 5) Silent Witness; 6) Cloudy; 7) Sundown; 8) The Analyst; 9) Three Magic; 10) You`re Beautiful; 11) One Of These Days 12) After The Tongue; 13) The Milkman`s Wife; 14) Uke Can`t Get Away From Me; 15) The Thin Skin; 16) Railway Lines
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Bio:
Fauve (franz.: Raubtier) ist das aktuelle Projekt des gebürtigen Genfers Nicolas Julliard. Wie auf seiner Website wohl treffend erwähnt wird, war er bereits bei vielen grossartigen unbekannten Bands dabei und aller Wahrscheinlichkeit nach wird er dieser Linie mit seinem vor sieben Jahren gegründeten Projekt treu bleiben: Grossartig und unbekannt.
Am ehesten die Chancen zur breiteren Kenntnisnahme hat seine Zusammenarbeit „YYY“ mit Kid Chocholat und BellWald (hat nix mit mir zu tun...). Dabei handelt es sich um ein Spasslabel, unter dem eine CD mit ausschliesslich halbminütigen Songs erschienen ist, damit man sich die Scheibe auf Amazon oder Cede.ch in voller Länge reinziehen kann.