Ja. Weil du rockst, Freude versprühst, gute neue Ideen hast,
schön bist, dich auch mal zurücknimmst und doch deinen Weg gehst. Du
bist gut, Album Nummer sechs.
Mir gegenüber sitzt mein Mitbewohner. Auf seinem ausgebleichten, ehemals schwarzen Kapuzenpulli steht, flankiert von zwei grinsenden Totenschädeln: „Favez“ und darunter „Lausanne Switzerland, Rock’n’Roll“. Hinter mir das CD-Regal, zwischen Fantomas und Fear Factory stehen die Cds von Favez; „Gentlemen Start Your Engines“ zum Beispiel, aus dem Jahr 1999…und bevor ich mich jetzt beginne alt zu fühlen, erlaube ich mir, diese persönliche Sichtweise auf die Band noch etwas auszuweiten:
Ich erinnere mich noch daran, wie mir ein alter Freund mal die „A Sad Ride…“-CD geliehen hatte. Obwohl mir das Album gefallen hat, lagen diese Akustiksongs nicht gerade im Mainstream meines Interesses, welches damals eher derbem Metal galt. Aber Favez konnte man nicht ignorieren – Album für Album, Tour für Tour: Favez haben immer Qualität geboten. Insbesondere als Live-Act mauserten sich Favez vom Geheimtipp zum Zugpferd, ich denke hier bloss ans Gränichen Open Air, wo die Waadtländer auch bei übelster Witterung das Moortal ein ums andere Mal gerockt haben. Fleissig wie die Biber haben Favez in den letzten 10 Jahren die Bühnen beackert, sich dabei viele Anhänger erspielt und hierzulande einen zwar schmalen aber soliden Damm über den Röschtigraben gebaut, der, so glaube ich zumindest, massgeblich dafür gesorgt hat, dass auch andere Bands aus der Romandie hier wahrgenommen werden.
Offen gesagt hat mein Interesse an Favez bereits vor dem letzten Album „Old And Strong In The Modern Times“ ziemlich abgenommen – entsprechend gespannt und etwas unsicher habe ich mich dieser Rezension angenommen, ähnlich einem Treffen mit einem alten Freund, den man schon lange nicht mehr gesehen, respektive gehört hat:
Es dauert nur bis zum Schlagzeugeinsatz, die Gitarrensaiten werden markant gezogen und das reicht bereits um mir ein Grinsen ins Gesicht zu zaubern. „The Highways Are Deserted“ heisst der gefällige Opener, der gut ins Ohr geht und unverkennbar Favez ist, aber trotzdem dezent die neuen Tasteninstrumente durchschimmern lässt.
Auch Song zwei, „When We Were Kings“, bietet typisches Favez-Futter, das mit den Orgelklängen sättigender wirkt als vieles vom älteren Material, aber trotzdem kaum schwer im Magen liegen dürfte. Das geht beinahe Richtung Volksküche, man muss es fast schon mögen.
Das folgende „She Wakes Up Every Night“ beginnt mit einer druckvollen Bass/Schlagzeug-Kombination, welche die Rockerherzen der alten Fans höher schlagen lassen dürfte – bevor diese im wunderschönen Refrain schmelzen… ein schwer hitverdächtiger Song.
Meine Highlights auf der neuen Favez sind die ruhigen und ungewohnten Klänge der Band, respektive die Verschmelzung derer mit den alten Qualitäten. „Here We’re Nothing“ ist so ein Track, „The Goodbye Song“ ein weiterer davon. Letzterer beginnt sehr zurückhaltend, fast schon experimentell möchte man sagen für Favez-Verhältnisse. Über eine Spielzeit von über sieben Minuten zeigt der Song viele Facetten von subtil zerbrechlich bis kraftvoll treibend – definitiv ein neues Level, das Favez hier erreichen und es steht ihnen gut.
Auf „Bigger Mountains Higher Flags“ zeigen sich die Lausanner gereift. Ohne mit der Vergangenheit zu brechen, ist es ihnen gelungen, interessante Neuerungen einzubringen. Diese sind vor allem auf den Einbezug von Hammond Orgel und Piano zurückzuführen, welche spürbar auch das Songwriting positiv mitgeprägt haben. Das Resultat ist ein eingängig rockend rollendes Album, mit einigen hitverdächtigen Melodien aber auch der nötigen Schwere, dass man es nicht bereits nach dem dritten Durchlauf ins Regal zwischen Bands stellt, die zwar absolut ihre Berechtigung haben, aber als Soundtrack für das Daily Life eher wenig geeignet sind. Genau diese Lücke füllen Favez auch 2007 immer noch – adäquater denn je. Vier dicke Punkte.
Seit 19. Oktober 2007 im Handel.
Anspieltipps: She Wakes Up Everynight; The Goodbye Song; White Limousine
Trackliste: 1)The Highways Are Deserted; 2) When We Were Kings; 3) She Wakes Up Every Night; 4) Naked And Gasolined; 5) Here, We’re Nothing; 6) The Goodbye Song; 7) The Torch Song; 8) And We Dance; 9) If I Don’t Come For Forgiveness; 10) White Limousine; 11)We Used To Fight A Lot
similar artists: Manic Street Preachers, Goo Goo Dolls
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Bio:
Die Band Favez Disciples startete bereits anfangs der 90er Jahre als klassische Rockbesetzung: Schlagzeug, zwei Gitarren, Bass, Gesang. 1997 kürzten sie den Bandnamen auf Favez. Mit ihrem druckvollen Sound, der sowohl Hardcore und Punkeinflüsse aber auch einen Hauch von Melancholie und einen Hang zu klassischem Rock beinhaltet, konnten die sympathischen Waadtländer im In- und Ausland viele Erfolge einstreichen, welche sie mit diversen Tourneen in Europa und Übersee hart erarbeitet haben.
Nach einer Art Standortbestimmung sind Favez 2007 zurück mit erweiterter Instrumentierung (Hammond Orgel, Fender Rhodes und Piano) sowie einem neuen Album, das eine deutliche Weiterentwicklung der Band darstellt. Im November beginnt der erste Teil der Schweizer Tournee.