Hemlock Smith hat die Überdosis an elektronischen Spielereien vom
ersten Album über Bord geworfen und macht sich nun als
Elektro-Akustik-Singer-Songwriter an neue Taten.
Ein reichhaltiges Angebot an Instrumenten hatte bereits Hemlock Smith`s Debüt „A Secret Life“ zu bieten, jedoch wurden diese damals grösstenteils vom exzessiven Gebrauch des Synths an die Wand gespielt. „Umbrella Fitz & Gerald“ gibt sich in dieser Beziehung glücklicherweise ganz anders. Die Dichte an Effekten hat in dem Masse abgenommen, wie die Atmosphäre zugenommen hat. Dominierendes Instrument ist die normale Gitarre. Fender Rhodes, Wurlitzer und Co. halten sich angenehm zurück. Nach den ersten beiden Songs könnte man gar meinen, man hat es hier mit waschechtem Folk oder Blues zu tun. Besonders der zweite Song „Bedtime Stories High“ hat einen sehr authentischen Charme und wer ihn mehr als dreimal gehört hat, wird sich irgendwann dabei ertappen, wie er diese Melodie vor sich her summt. „F=0“ und „Blues Is Dead“ distanzieren sich dann von der Harmlosigkeit der ersten beiden Songs. Die Stimmung wird gedrungener und nicht zuletzt wegen der verstörenden Texte auch ein wenig nervös und bedrohlich.
Die musikalische Spannweite von „Umbrella Fitz & Gerald“ hat man somit eigentlich erfasst, denn die restlichen Songs sind grösstenteils von poppig-weicher Gestalt. Stimmlich wird kein allzu grosser Aufwand betrieben. Nur selten wandelt die sanfte Schlafliedstimme sich zu einem beschwörenden Psychogeflüster.
In den Lyrics kann man allerdings noch einige Kuriositäten entdecken und erfährt, wie van Gogh sein Ohr wirklich verloren hat. Trotz origineller Texte muss man aber erwähnen, dass die Präsentation von diesen oft unzureichend ist. Je mehr die Vocals ins Zentrum eines Songs treten, umso deutlicher wird, dass Hemlock Smith wohl ein Soundtüftler, aber kein begnadeter Sänger ist. Manche Songs leiden recht stark am begrenzten Potenzial von Freis Stimmorgan. Beispielsweise „(Life Is) Strange“ oder „Drone“, bei welchem es besonders bedauerlich ist, da der Song ansonsten eine interessante Komposition wäre. Schade ist in diesem Zusammenhang auch, dass der gesangliche Beitrag von Aline Stoll es nur ins Booklet, nicht aber auf die CD geschafft hat. Eine solche personelle Trennung von Noise & Voice, in der jeder auf seine Stärken setzen kann, wäre sicher ein hörenswerter Beitrag.
„Umbrella Fitz & Gerald“ wirkt in manchen Belangen noch sehr gehemmt und unsicher und versäumt es teilweise, die eigenen guten Ideen voll auszukosten und durchzuspielen. Das hat zur Folge, dass viele der Songs sich stark ähneln und mit ihrem defensiven Singsang nicht überzeugen können. Als weiterer Schritt in der Entwicklung von Hemlock Smith macht die Scheibe aber Hoffnung.
Seit 2. September 2006 im Handel.
Anspieltipps: Bedtime Stories High; My Musical Career; Julie
Trackliste: 1) Aloof; 2) Bedtime Stories High; 3) F=D; 4) Blues Is Dead; 5) In A Coma; 6) Heaven Knows; 7) Julie; 8) Almost Over You; 9) (Life Is) Strange; 10) A Toast; 11) Down Beat Bird; 12) Stubborn Again; 13) My Musical Career; 14) Drone; 15) And That Is All...
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Bio:
Michael Frei, 1966 in der Deutschschweiz geboren, lebt seit seinem 10. Lebensjahr in der Westschweiz (heute mit seiner Frau und Tochter in Lausanne). Früh schon versuchte der Einzelgänger, seinen Gedanken künstlerisch Ausdruck zu verleihen. Zuerst mit Gedichten, dann mit Songs. Ab 1984 war er als Schlagzeuger und später als Sänger in verschiedenen Rockbands. 1989 gründete er mit Jacques Bevilacqua die Band KàFKà CiTy. Diese lösten sich 1994 nach zwei aufgenommenen Platten auf. 1998 folgte die Gründung von Greenhouse Effect, die auch heute noch bestehen. Hemlock Smith ist Freis Soloprojekt zwecks kompromissloser künstlerischer Selbstverwirklichung.