Elektronisches heimisches Schaffen Ein Luzerner Duo musiziert elektronisch und erfindet die elektronisch orientierte Pop-Musik ... nicht neu.
Geschätztes Auditorium,
"Oh, Barbara, du bist mein Morgenstern in der Nacht vor mir..." - so, so. "Es waren schwere Zeiten... Mein einziger Freund war Leonard Cohen." - aha. "Und wenn ich jetzt geh, ist es auch zu spät..." - hm. Es ist unfair, einzelne Textzeilen aus dem Kontext zu reissen? Stimmt. Wer allerdings einen Song mit "Leonard Cohen" betitelt, muss sich solches gefallen lassen. Die Texte von Kunz und Knobel sind irgendwie angestrengt, bemüht sinnig, krampfhaft bedeutungsvoll. Gewisse Textpassagen ("Der Mann Unserer Täume"; "Manchmal Lächelt Sie Doch") sind an Flachsinn kaum zu unterbieten. Der Musenalp-Express lässt hin und wieder grüssen. Schwamm drüber. Die Orchestrierung hat mehrere lichte Momente ("Balkon", "Die Rosarote Handtasche"), ja Sternsekunden ("Betreibungsbeamter"), die Melodien sind süss, womöglich gar schön, aber irgendwie fehlt das gewisse Etwas, das Aneckende, das Einnehmende. Das anzuzeigende Album ist rund, nett, plätschernd und hat bemerkenswerte Einfälle vertont. Letztlich ist es eine hörenswerte Alternative zum Rockstar-Gitarren-Getue der ungezählten "The"-Bands. Seichtes nun schätzt der Rezensent bisweilen wahrlich, Kitsch ist er zweifelsfrei nicht abgeneigt, aber ein Song wie "Das Rote Blut" ist einfach zu viel. Ohne einen theoretischen Streit vom Zaum brechen zu wollen, aber das ist schlicht Schlager, zugegebenermassen höheren Niveaus als das Gedudel von Roland Kaiser und Co., nichtsdestotrotz in der Tat vollumfänglich ü-b-e-r-f-l-ü-s-s-i-g. Oder hat man etwa die ironische Note überhört? Erfreulicher ist etwa das Klangexperiment "Betreibungsbeamter", das durchaus mitsummen lässt, oder etwa die abschweifenden, teils retardierenden Elemente in einigen Songs ("Der Mann Unserer Täume"). Ob die Tempoberatung von Andrea Wyss wirklich überall ideal war, wagt man an dieser Stelle zu bezweifeln. Mehr Drive wäre unseres Erachtens nicht allen Songs ein Schaden gewesen. Überdies: Mit der Spielzeit von knapp 33 Minuten gibt man sich schon etwas geizig. Levin Knobel und Patrick Kunz verstehen ihr Handwerk, das Mastering Marco Jencarellis braucht qualitativ keine Vergleiche zu scheuen. Das Album zweifelsfrei nicht schlechter als einiges, was diesbezüglich von unseren nördlichen Nachbarn auf den Markt geworfen wird - nicht zuletzt deswegen soll man das Projekt Kunz und Knobel unterstützen.
Unsere Ansicht: Selbst hören und selbst urteilen. Besten Dank für die ungeteilte Aufmerksamkeit. Seit 1. April 2005 im Handel. Anspieltipps: Psychologen, Barbara Morgenstern, Betreibungsbeamter similar artists: 2raumwohnung, Stimmhorn, Maximilian Hecker (vielleicht), Knut & Silvy > Hören und Kaufen > Offizielle Seite > Label > CH-Vertrieb Bio: Levin Knobel und Patrick Kunz arbeiteten zuvor bei den Zeugen Utopias zusammen und erreichten mit bodenständigem Rock nationale Bekanntheit. Live wird das Duo erweitert mit Dominik Meyer (Schlagzeug), Dani Wäch (Synthesizer) und Masi Stalder (Bass).  Diskographie: > Küchen (2005)
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