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Kunz und Knobel - Lebensmittel

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von Rudolf J. Merkle am Donnerstag, 15. Mai 2008 in Neuerscheinungen   
Genre: Elektro-Chanson mit Schlag zum Schlager
Label: Little Jig Records
CH-Vertrieb: Little Jig Records
Unsere Wertung:Kunz und Knobel - Lebensmittel


Elektronisch aufbereiteter Chanson-Schlager.
LebensmittelKunz und Knobels Zweitling folgt grundsätzlich dem Erstling, geht aber musikalisch leichter in Beine. Alles ist nicht neu, aber gar nicht schlecht, vielmehr besser geworden.

Geschätztes Auditorium,

völlig unpassend – aber wer sich von den Texten von Kunz und Knobel inspiriert sieht, darf das – und unsympathisch selbstverliebt beginnen wir mit einem Zitat der Rezension, die wir an gleicher Stelle vor geraumer Zeit über das erste Album der beiden Luzerner abzufassen eingeladen waren: „Mehr Drive wäre unseres Erachtens nicht allen Songs ein Schaden gewesen.“ Wir bedanken uns recht herzlich dafür, dass diese Kritik aufgenommen wurde (wohl kaum bewusst, denn wir sind uns unserer unbedeutenden Bedeutung durchaus gewiss). Die 10 Stücke von ‚lebensmittel’ sind ohne jeden Zweifel zackiger, beschwingter, wofür etwa ‚die diktatur’, ‚die kunzt’ oder ‚die hoffnung’ zeugen. Damit sei die Instrumentierung der Texte ausdrücklich gelobt. Die Anleihen bei der elektronischen Sparten der NDW (z. B. Beat von ‚das glück’) und die Bedingung beim aktuellen Elektropop sind gelungen, teils famos, besonders wenn ein orchestrales Ambiente konstruiert wird (etwa die Streicherimitate in ‚der film’ und ‚das glück’). Kitsch erfreut halt des Rezipienten Herz. Mitunter könnten einzelne Passagen gar als triphopige Allusionen zu verstehen (‚alles für nichts’) sein. Dieses alles dürften die Früchte der Arbeit Patrick Kunz’ sein, der sich offenbar schlicht einen eigenen Synthie bastelte, ihn ‚Kunz und Knobel Synthesizer’ taufte und – sehr verdienstvollerweise – ins weltweite Netz setzte, auf dass jeder Willige davon profitiere.
Insgesamt wirkt ‚lebensmittel’ durchdacht und komponiert. Pausen sind an der richtigen Stelle (‚die liste’), Intros und Schluss passen prächtig zusammen – bravourös ist zum Beispiel, wie in ‚das glück’ das rhythmische Thema zu Beginn am Ende ausklingt –, die Melodien sind zuckersüss und eingängig.

Textlich werden wir halt einfach nicht endgültig warm mit Levin Knobel: „ein paar wenige/ halten noch nicht/ viel von mir/ sie werden teuer bezahlen …“ (‚die diktatur’). Tja, dieses Risiko werden wir wohl eingehen müssen, Herr Knobel. In einigen Ideen sehen wir uns wenigstens inhaltlich durchaus einig mit Ihnen. So ärgert man sich schon „wenn doofe personen im fernseher wohnen“, wenn Politiker „alles wissen“ zu glauben“ (aus ‚die liste’) (über die degressiven Steuern müsste man bei einem überteuerten Kaffee in den städtischen Hochsteuerwüsten diskutieren). Wirklich einfallsreich finden wir ‚wenn ich einmal gross’ bin: „wenn ich einmal tot bin/ höre ich auf/ mein wort zu geben/ darauf mein wort.“ Das hat Witz in Form und Inhalt. Vieles bleibt letzten Endes nichtsdestotrotz angestrengt sinnig (‚die kunzt’), affektiert hermetisch (‚das glück’), platt alltagsphilosophisch (‚die hoffnung’) oder schlicht beliebig.

Kunz und Knobel gehen mit dem fein produzierten vorliegenden Album ihren Weg in einem Genre, das wir als Elektro-Chanson mit Schlag zum Schlager definieren wollen, weiter. Noch immer vermissen wir das innovative, einzigartige Element, wünschen uns etwas mehr Mut zum Klangrisiko, möchten gerne die (wirklich) ruppige, raue Seite des Duos kennenlernen. Aber warum sollten wir die beiden eigentlich nicht wohlwollend kritisch zu begleiten uns erdreisten?

Unsere Ansicht: Man höre und beurteile all dieses selbst. Besten Dank für die ungeteilte Aufmerksamkeit.


Seit 9. Mai 2008 im Handel.

Anspieltipps:
die hoffnung, die kunzt, wenn ich einmal gross bin, die liste
Trackliste: 1) die kunzt; 2) wenn ich einmal gross bin; 3) alles für nichts; 4) der film; 5) die erinnerung; 6) die diktatur; 7) die liste; 8) das glück; 9) die hoffnung; 10) die alte geschichte
similar artists: 2raumwohnung, Ich + Ich, Rosenstolz (?), Annett Louisan (?). Miss Kittin (instrumentaler Teil)

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Kunz und Knobel sind Patrick Kunz (Synthesizer) und Levin Knobel (Gesang) aus Luzern. Vor ihrem Zusammenschluss war Knobel bereits bei der Punk-Rock-Band Chicken Nuggets und der Deutsch-Grunge-Formation Zeugen Utopias als Sänger und Texter tätig, während Kunz an verschiedensten Trance- und French-House-Projekten mitwirkte. 2005 erschien Kunz und Knobels Debütalbum „Küchen“, das anschaulich bewies, „dass deutsch gesungener Elektropop nicht zwingend aus Deutschland kommen muss“ (Zitat Little Jig Records). Unlängst veröffentlichten die beiden Luzerner auf ihrem neuen Label Little Jig Records nun den Zweitling „Lebensmittel“, dessen Songs mithilfe eines eigens von Informatik-Ingenieur Kunz gebauten Synthesizers gebastelt wurden. Live treten Kunz und Knobel heuer zu zweit auf. 

Kunz und Knobel
Diskographie:
> Küchen (2005)
> Lebensmittel (2008)


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