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Kutti MC - Jugend & Kultur (2005) (Muve Recodings/Musikvertrieb)

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von Ivana Leiseder am Dienstag, 1. Februar 2005 in Schweizerisches   
Die Rettung des Mundart-Rap

Kutti MC - Jugend & Kultur (2005) (Muve Recodings/Musikvertrieb)Kutti MC gilt als "Der Meister der Irritation" und hält sich selber für eine Antiintegrationsfigur des Schweizer Rap. Nun veröffentlicht er sein Debütalbum, "Jugend & Kultur", das nur so von musikalischen und lyrischen Andersartigkeiten strotzt. Der Mundart-Rap ist gerettet!

Ja, man darf sich zurecht fragen, was eine Rap-Scheibe auf ::exit.music:: zu suchen hat. Fragen tauchen aber vor allem dann auf, wenn man bedenkt, dass die Schreibende aufgrund ihres sich für die Reinkarnation von 2Pac haltenden Vaters von Rap, Hip Hop und dergleichen schwerst geschädigt ist. Man kann sich aber immer eines Besseren belehren lassen, nicht wahr? Kutti MC ist nämlich cool, ehrlich!
Schon im Opener "KUTTI-Funk" macht Kutti MC seinen Standpunkt klar: "D Popkultur? Di bi elei ig!" Dem liebenswerten Grössenwahn, den er auf mehreren Stücken zutage legt (wie z.B. auf "Euro-Dance", wo er Paris zu seinen Füssen liegen sieht), werden Aussagen hinzugefügt wie: "Mini Bescheideheit esch so gross wi ne ganz chline Stecknadelknopf." Auf dem zweiten Stück, "Di Junge", gibt sich Kutti MC als Jungenversteher und führt gleichzeitig eine schonungslose Analyse der Schweizer Jugend durch. Auf "That's a protest song" nimmt sein stark ausgeprägter Zynismus einmal mehr überhand und Kutti MC mokiert sich mit Unterstützung eines kleinen Kinderchores über die zwanghaft-politische Haltung, die zuweilen an den Tag gelegt wird. "Alternative Motherfuckers" wiederum beschäftigt sich voller Sarkasmus mit der alternativen Kulturszene und es bleibt einem nichts anderes übrig, als über die überaus treffenden Worte zu schmunzeln.
Kutti MC macht - wie gewisse Rap-Kollegen - Weltfrieden, Hunger und dergleichen genauso zu Gesprächsthemen, verliert aber dabei den (schwarzen) Humor nie und lässt Intelligenz ebenfalls nicht im Regen stehen. Kutti MC beschäftigt sich nicht nur mit den gängigen Themen, widmet so z.B. seinem toten Meerschweinchen Fritzli eine Ballade und spricht dem Tierchen übermenschliche Huldigung aus. Auch das Vorhandensein von Tracks über Frauen gehört auf Rap-Platten bekanntlich zum guten Ton, doch Kutti MC gelingt es, Phrasen wie "move your ass", "shake your blablah" etc. zu umgehen. Tatsächlich klingt er aber bisweilen sehr US-amerikanisch und erinnert an einigen Passagen an Eminem. Da wir gerade davon sprechen: So unglaublich es auch ist, gewann Kutti MC 2003 in Chicago einen Freestyle-Poetry-Slam und stellte sämtliche US-Konkurrenten mit seinem Berndeutschen (!) Rap in den Schatten - ein weiterer Beweis für sein immenses Talent.
Nicht nur Kutti MCs Art zu rappen, sondern auch die Beats auf "Jugend & Kultur" sind ausserordentlich fett und reichen von smooth bis technoid. Die Songstrukturen und Instrumente sind innovativ ebenfalls etwas vom Besten, was der CH-Rap zu bieten hat, finden sich doch funkige und jazzige Elemente, Popsong-Zutaten sowie Streicher, Saxophon, Glockenspiel, Piano, Trompete etc. auf dem Silberling wieder. Die musikalische Vielfalt ist wohl den zahlreichen Produzenten wie z.B. Goldenboy, Sad u.a. zu verdanken, die einen breit gefächerten musikalischen Background mitgebracht haben. Auch einige feine Gastspieler sind auf der Scheibe zu hören, wie z.B. Marc Smith, Big Zis u.a., was "Jugend & Kultur" eine Extraportion Würze verleiht.
Kutti MC ist mit seiner Innovation und Vielseitigkeit die Hoffnung für den Schweizer Mundart-Rap schlechthin und man darf auf weitere grosse Taten gespannt sein! Der gute Mensch hat es jedenfalls geschafft, mich nicht wie die meisten anderen Rapper mit falscher Überheblichkeit und pseudo-coolen Texten zu nerven und er hat meine tot geglaubte Rap-Seele für einen kurzen Augenblick auferstehen lassen. Peace!


Ab 7. Februar 2005 im Handel.

Anspieltipps: KUTTI-Funk, Di Junge
similar artists: Bluesbueb

> Hören und Kaufen > Offizielle Seite > Label und CH-Vertrieb

Bio:
Kutti MC, bürgerlich Jürg Halter, wuchs in Bremgarten BE auf. Mit 19 gab er eine Literaturzeitschrift heraus, nebenbei schloss Halter das Hochschulstudium Freie Kunst ab. 2003 gewann er in Chicago ein Hip Hop-Freestyle-Battle und setzte sich so gegen sämtliche US-amerikanische Konkurrenten durch. Im Februar 2005 erscheint sein Debütalbum "Jugend & Kultur", gefolgt vom Gedichtband "Ich habe die Welt berührt" und nächstes Jahr möchte er gerne noch ein Theaterstück schreiben.

Kutti MC - Jugend & Kultur (2005) (Muve Recodings/Musikvertrieb)
Diskographie:
> Jugend & Kultur (2005)


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