Moderne Kunst? Les Reines Prochaines are back... Vier schrullige Songs beinhaltet das neuste Werk "Starke Kränze", das spielerische Kampfeslust mit grenzenlosem Zynismus und philosophischem Tiefsinn verbindet. Und irgendwie mächtig verwirrt.
Eigentlich vermag mir nichts wirklich schnell die Sprache zu verschlagen, aber der neuste Streich (im wahrsten Sinne des Wortes...) der Reines Prochaines hat's geschafft. Ich bin perplex. "Das Kampflied" - so lautet der Titel des ersten Chansons. Sogar ich als Frau kriege es bei dieser ersten, doch recht männerunfreundlichen Abhandlung mit der Angst zu tun: "Männerherzen sind klein wie Schuppen, Männerseelen eng wie Krawatten", singen aufmüpfische Frauenstimmen, begleitet von lauter Marschmusik. Ohalätz. Im nächsten Stück, "Das Preisausschreiben", geht's weiter mit allen möglichen gewonnenen Preisen, über deren Sinn oder Unsinn man zu gemächlichen Bläsern zynisch sinniert, während man auf "De Zwerg vorem Berg" mit einer Mundart-Parabel über das Scheitern eines kleinen Zwergleins eher nachdenkliche Klänge anschlägt. Als wäre dies alles nicht schon skurril genug, setzen die Basler Königinnen noch eins drauf und schliessen ihr Werk mit der tragisch-komischen Akustik-Ballade "L'oiseau chante" ab, die das klägliche Ertrinken eines Vogels schildert. So weit, so gut. Und was wollen uns die Reines Prochaines damit sagen? Diese Frage stellt sich erneut beim Ansehen der vier etwas äh... merkwürdigen Videoclips, die die Rezensierende noch weniger zu verstehen vermag als die Musik. Die Reines Prochaines werden gezeigt, wie sie Grimassen schneiden, mit einem Motorboot über den See fahren oder als Klein-Orchester in grotesker Manier durch die Gegend marschieren. Beinahe könnte man zu der Annahme kommen, die Reines Prochaines praktizierten in ihrer Kunst den Unsinn als Prinzip, würden sich dann und wann nicht ganz intelligente Gedanken hervortun. Um ein ganzheitliches Verständnisses des Projekts Reines Prochaines willen, wäre es wohl hilfreich, ihrer Performance beizuwohnen, die bestimmt erklärend und erfrischend wäre. Da sich mir diese Möglichkeit aber nicht anerbot, muss ich resignativ feststellen, dass ich die moderne Kunst - diesmal in der Form der Reines Prochaines - einmal mehr nicht verstanden habe. Na ja: UT DESINT VIRES, TAMEN EST LAUDANDA VOLUNTAS! Seit 3. Mai 2005 im Handel. Anspieltipps: De Zwerg vorem Berg similar artists: Michael von der Heide
> Hören und Kaufen > Offizielle Seite > Label Bio: Die Basler Musikperformance- gruppe Les Reines Prochaines besteht seit den 80er Jahren und kann bis anhin unzählige Lineup-Wechsel verzeichnen. (Als bekanntestes Mitglied war von 1988 - 1994 Pipilotti Rist bei den Königinnen.) Die heutigen Reines Prochaines sind Michele Fuchs, Fränzi Madörin, Muda Mathis, Barbara Naegelin und Sus Zwick. Nach eigenen Angaben "den professionellen Dilettantismus" als künstlerisches Konzept betreibend, haben sich Les Reines Prochaines mit multimedialen Performances, Konzertprogrammen, Tonträger und Videobänder nicht nur in der Schweiz, sondern längst auch im Ausland einen Namen gemacht.  Diskographie: > Jawohl, sie kann's. Sie hat's geschafft. (1990) > Lob Ehre Ruhm Dank. (1993/94) > Le coeur en beurredoublegras (1995) > Alberta (1999) > Protest und Vasen (2003) > Starke Kränze EP (2005)
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