Technoid, kalt und abgeklärt sind die ersten Worte, die mir zu Popshops neuem Knochen in den Sinn kommen.
Minimalistisch, trocken, düster, synthetisch und schwebend die nächsten. Allesamt Wörter, die ich an sich gerne höre und schreibe. Noch besser kommts, wenn diese auf Musik zutreffen. Genau solche Musik produziert der Winterthurer Martin Akeret alias Popshop und zeigt der restlichen Schweiz, wie Elektro in einer seiner unzähligen Formen funktionieren kann. Da wird nicht gross geklotzt, da werden keine Wälder abgeholzt und keine Gehörgänge malträtiert. In der Schlichtheit, der Einfachheit und der Unscheinbarkeit dieser Musik liegt ihr Reiz. Und wenn man ganz gut hinhört, fallen einem die kleinen Details und die kreativen, raffinierten Ideen im Hintergrund auf, und man beginnt die Platte zu mögen. Man hört ein ganzes Album lang eine gelungene Mischung aus Detroit, Trance und einem bisschen Pop. Obwohl die Bassdrum meist deftig und monoton poltert, verbreitet die Platte eine gemütliche, entspannte, ja verhangene Stimmung. Entsprechend hemmend wirkt sie auf den Ideenfluss. Man kann sich von dieser Musik bestens einlullen lassen, das Gehirn abschalten, rumliegen und nichts tun, notfalls auch einschlafen (wenn da nur diese Bassdrum nicht wäre). Leider bevorzuge ich persönlich für diese ’Tätigkeit’ Postrock oder elektronisch angehauchten Pop à la Thom Yorke. Diese Musik passt in modische Lokale, angesagte Geschäfte oder ’Lounges’ wie Pinguine in die Antarktis oder Toilettenpapier aufs Klo. Einen nicht zu verheimlichenden Makel entdecke ich im effektzerrissenen Gesang. Dieser passt zwar ins Konzept, nervt selten, hält sich dank ruhigem Ton und unscheinbarer Melodie zurück, vermiest jedoch manchmal das endgültige Abheben und Davonschweben. Insgesamt eine Platte, die sich angenehm anhören lässt, nur wenige Ecken und Kanten aufweist, niemanden stört, beleidigt oder anrempelt. Aufgrund dieser Unscheinbarkeit, der Unaufdringlichkeit und der vielleicht zu harmlosen Korrektheit hinterlässt sie keinen bleibenden Eindruck, kein Bedürfnis nach mehr, keine Narben im Gehörgang und eignet sich somit bestens als gemütliche, unkomplizierte und leicht verdaubare Hintergrundmusik.
Seit 10. April 2007 im Handel.
Anspieltipps: Nudity (Rmx), Guitar Fugitive
Trackliste: 1) New Bones; 2) Still On My Way; 3) Nudity (Remix, Original Version by Pureape); 4) What I Need; 5) Flashlight; 6) Changing Weather; 7) Watchman (Re-Edit); 8) Guitar Fugitive; 9) Relief (After The Lost Years); 10) Shining Star; 11) The Person Is Already Your Friend (Bonus Track)
similar artists: Ror-Shak, The Egg, Sinner DC,
Röyksopp, Swandive, The Notwist,
Kraftwerk
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Bio:
Popshop ist Martin Akeret, 1975 Winterthur geboren und seit 1996 als Grafik Designer/Desktop Publisher in Zürich lebend. Nach einem sechsjährigen Ausflug in das Studium der Klassik und Jazz-Musik, entdeckt er 1992 die elektronische Musik als seine bevorzugte Spielwiese. Schon bald folgen erste Schritte als Co-Produzent, bevor 1997 der Startschuss für sein eigenes Label Poetenpop Records fällt. Dort veröffentlicht er fortan unter diversen Pseudonymen wie zum Beispiel Gary Rich, Drama oder Drama Martini. 2001 erscheint mit ’My Friend Frigo’ das erste Popshop-Album. Das gute Feedback macht 2002 das Hamburger Label Indulge/Raygun auf den Schweizer aufmerksam und so nehmen sie ihn für seine Album-Produktion ’Salon Bizarre’ unter Vertrag. Die Platte erreicht mehrere N°1-Chart-Plazierungen, so etwa in der De:Bug, Berlin, im Groove Magazine (D) und in den Top 15 der Spex. Im Jahr darauf erscheint das dritte Popshop- Album ’The Distance Between Us’, das Popshop’s Ruf bis über den Atlantik trägt. So ist er 2004 für zwei Live-Konzerte in Montreal zu Gast, bevor er im Studio die Arbeit an ’Connection / Lost’ aufnimmt. Schliesslich erscheint im April 2007 ’New Bones’ via Alpinechic/RecRec.