Aus Horw, der niedlichen Nachbarstadt von Kriens mit dem wohl
prächtigsten Blick auf den Pilatus, stammen Portobello. Und ihre Musik
tönt verdächtig nach Indierock…
In ferner Vergangenheit, so etwa 2005, ich steckte noch in den Kritikerkinderschuhen bzw. -gummistiefeln, durfte ich das Debut ’Face The Music’ von Portobello auseinander nehmen. Und es gefiel. Was in den letzten beiden Jahren passierte, weiss ich leider nicht mehr so genau, Portobello jedenfalls nutzten die Zeit um zu reifen, sich weiterzuentwickeln und nun als erwachsene, durchwegs ernstzunehmende Konkurrenz im Luzerner-Rock-Dschungel rumzuirren. Die Band unternahm, und dafür danke ich ihr, keine stilistischen Handbremskehren, sondern befasste sich noch intensiver mit dem Mysterium Indierock. Das Ergebnis dieser zweijährigen Forschungsarbeit ist ein Album mit Vorbildcharakter. Sämtliche Facetten des Genres, von süssem Indie bis zu kraftstrotzendem Rock (und der Schlaumeier merkt: Indierock), werden in all ihren Finessen abgedeckt. Sämtliche Songs sind geprägt von einer angenehm traurigen Grundstimmung, die durch die gewöhnungsbedürftige, meist leidende, manchmal gar jammernde Stimme Markus Burris im Zusammenspiel mit der gitarrenlastigen Instrumentierung entsteht. Die Stücke brauchen ihre Zeit, sie können harmlos beginnen und plötzlich durch harte, beinahe schroffe Gitarrenwände ein ganz anderes Gesicht zeigen. Mehrere gesangslose Zwischenspiele pro Stück zeugen ausserdem vom kompositorischen Können der Band. Den beiden Gitarren soll hier auch die gebührende Aufmerksamkeit gewidmet werden, sie spielen zwar keine Filigransoli, überzeugen jedoch umso deftiger durch spannende Spielereien, wunderbar wuchtige Klangwände sowie gekonnte Zusammenarbeit (besonders eindrücklich im instrumentalen ’Lumberjack’). Das vielseitige Zweitwerk Portobellos will mehrmals konsumiert werden, bis es seine Geheimnisse, die ich hier natürlich nicht verraten will, preisgibt. Die Melodien bleiben jedenfalls nicht nach zweimaligem Durchhören im Gedächtnis hängen, was beinahe dazu verpflichtet, sich das Ganze genauer anzuhören. Jedem Anhänger melancholischer Popmusik, welcher trotzdem nicht auf tiefe, wuchtige Gitarren verzichten will, wird das Album bestimmt eine schöne Zeit bescheren. Schlussendlich spielen Portobello genau den anspruchsvollen, gitarrenlastigen Indierock wie man ihn selten, jedoch immer wieder gerne hört.
Ab 26. März 2007 im Handel.
Anspieltipps: There Is Always Someone Watching, Lycopodium, Lumberjack,
Trackliste: 1) Star-ter; 2) Playing Dead; 3) There Is Always Someone Watching You; 4) Lycopodium; 5) Force Of Habit; 6) Speak Spit Spoil; 7) Hit The Ground; 8) Crashing Cars; 9) Lumberjack; 10) In The Music We Get Lost; 11) Pirate Frequencies; 12) Video: Playing Dead)
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Bio:
Portobello ist eine Luzerner Indierock Band um Sänger, Gitarrist und Songschreiber Markus Burri. Das Debutalbum ’Face The Music’ erschien 2004 und brachte der Band nicht nur schweizweit grosses Lob ein. Konzerte im In- und nördlichen Ausland sowie verschiedene Auftritte an Openairs folgten. Nach getaner Studioarbeit veröffentlicht Burri mit seinen Mannen (Christian Bucher (dr.), Roger Hürlimann (ba.) und Markus Heller (git.)) nun das zweite Album ’My Head Is My Pillow Is My Head’.