Schweizer Radiohead-Klon "The Tragedy Of Being Honest" ist die Erstveröffentlichung des Oftringer Allround-Talents Jan Zimmerly unter dem Projektnamen Serpentine und beinhaltet 13 wundersame, anspruchsvolle Songperlen, die zum Träumen einladen. Ob es dabei aber auch wirklich so tragisch ehrlich zu und her geht...?
Der 27-jährige Jan Zimmerly hat die Stücke auf "The Tragedy Of Being Honest" im Alleingang in seinem Homestudio eingespielt und als musikalisch handwerkliche Unterstützung einzig die Hilfe des Schlagzeugers Serge Olar in Anspruch genommen. Akustische und elektrische Gitarren sowie Bass und Drums sind die Hauptträger der Songs, aber auch Celli, Harfe, Mandoline, Violinen, Zither und viele weitere Instrumente sind zu hören. Zimmerly hat sie allesamt auf seinem Laptop programmiert, gesampelt und kombiniert sie in spielerischer und innovativer Weise miteinander. Akustische Gitarren wechseln sich mit elektronischen Einschüben ab und stets wird man von einer weiteren Kuriosität überrascht. Die Klänge verbinden sich in faszinierender Weise miteinander, um sich dann sogleich wieder aufzulösen und sich neu zu arrangieren. Die Grundstimmung der Musik ist eine sehr melancholische, träumerische, regt zum Nachdenken an und offeriert sich in schlechten Zeiten als tröstende, musikalische Schulter zum Anlehnen. Die Songs stammen mit einer Ausnahme ("Sunday", das Lou Reed gewidmet und eine originelle Version von "Walk On The Wild Side" ist) alle aus Zimmerlys Feder und überzeugen vor allem durch die absurd-zynischen und sehr ehrlichen Texte. Jan Zimmely singt mit wehleidiger Stimme so z.B. über die Maus Rocky, die eines Nachts aufwacht und sich auf den Weg macht, um im Park nach Nahrung zu suchen. Rocky wird dann traurigerweise von einem Auto überfahren und Zimmerly fragt zynisch: "Guess who has died?" und führt aus: "The Pilot's name will be unspoken - who cares its neck was broken - the mouse had to die and we still try not to cry." Das Ganze wird mit herrlich pathetischen und dramatischen Streicherarrangements untermalt und lässt einen herzhaft lachen. Auf anderen Stücken wiederum sinniert er darüber, wie wir doch alle Monster sind, spricht seinen Bedarf nach Zahnpasta aus oder verkündet nüchtern: "To Kill Is Right." Er scheut tiefgründige Aussagen genauso nicht wie oberflächliche, humorvolle Aussprüche. Wo seine Texte durchaus von grosser Aufrichtigkeit zeugen, bereiten die Musik und vor allem Zimmerlys klagender Gesang eher Mühe. "The Tragedy Of Being Honest" erinnert nämlich wie kein anderes musikalisches Werk an Radiohead (zu Zeiten von "The Bends" und "OK Computer"), deren Scheiben zu Zimmerlys Lieblingswerke gehören. Wenn ich nicht gewusst hätte, dass es sich bei dem zu rezensierenden Silberling um Serpentine handelt, hätte ich Jan Zimmerlys Stimme und seine Art zu singen wohl glatt mit deren Thom Yorkes verwechselt. Obwohl die Songs nicht ganz dieselbe musikalische Tiefe besitzen, klingen gewisse Strukturen, Harmonien und Melodien verdächtig nach Radiohead, was das Hörvergnügen zu einem nicht geringen Masse trübt. Radiohead haben sehr viele Bands beeinflusst, aber nirgends ist eine so offensichtliche Abkupferung auszumachen. Man würde sich etwas mehr Eigenständigkeit, Authentizität und vor allem musikalische Ehrlichkeit wünschen. Was Jan Zimmerly da alleine und ohne grosse Unterstützung auf die Beine gestellt hat, ist zwar durchaus lobenswert und aussergewöhnlich, aber in einem weiteren Kontext betrachtet alter Käse und dürfte vor allem von Radiohead-Kennern sehr kritisch betrachtet werden. "The Tragedy Of Being Honest" ist trotz allem eine ambitionierte, solide Veröffentlichung, die sich als guter, melancholischer Lebensbegleiter offenbart und immer wieder nett anzuhören ist. Vielleicht hätte aber der Titel "The Tragedy Of Being Dishonest" besser gepasst. Seit 2. März 2005 im Handel. Anspieltipps: Rocky The Mouse, Train similar artists: Radiohead, Velvet Underground > Hören und Kaufen > Offizielle Seite > Label > CH-Vertrieb Bio: Jan Zimmerly alias Serpentine wurde 1978 geboren und schrieb bereits mit 12 Jahren seinen ersten Song, gefolgt von seinem ersten Bühnenauftritt mit 14. Bald schon gründete er eine Band, doch es zog ihn im Laufe der Jahre immer wieder in die weite Welt hinaus, wo er so z.B. in Kuba eine Gitarrenschule besuchte. 2002 veröffentlichte er sein Debüt-Soloalbum "Jan's Kitchen Recordings" (Eigenvertrieb) und gründetet 2004 schliesslich Serpentine.  Diskographie: > Jan's Kitchen Recordings (2002) > The Tragedy Of Being Honest (2005)
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