Post-Rock made in Eschenbach Solitune, ein Post-Noise-Rock Quartett aus dem Luzerner Seetal, hat Anfang 2005 eine fulminante, energiegeladene EP veröffentlicht, die durch Experimentierfreudigkeit und intelligente Strukturen besticht. Und überzeugt. Fast.
Wo ist denn Eschenbach, bitte schön? Tja, das dürft ihr euch zu Recht fragen, denn Eschenbach ist nämlich bloss ein kleines, trotz langer Geschichte unscheinbares Dörfchen in der Zentralschweiz. So klein und ländlich das Dorf auch anmutet, werkeln eben dort in einem abbruchreifen Haus seit 1998 vier talentierte Burschen und bringen Grosses zustande. Solitune (eine Zusammensetzung von engl. solitude = Einsamkeit und tune = Melodie?) - so nennen sich Roman Dubach (Gitarre, Vocals), Reto Achermann (Bass), Patrick Müller (Gitarre, Vocals) und Raimond Beel (Drums) - haben Ende 2004 ein paar auserlesene Früchte ihrer Anstrengungen auf CD gebannt und wecken nun die etwas verschlafene Seetaler Musikszene mit starken Klängen auf. Das Resultat kann sich hören lassen. Die Gruppe selbst definiert sich als "Post-Noise-Rock"-Band, was ihre Musik überaus treffend beschreibt. Ihre erste EP "O.K. Rewind" beinhaltet ein kurzes, aber gutes Intro und sechs Tracks, die sich vor allem durch ein intensives Zusammenspiel der beiden Gitarren und den Drums auszeichnen. Die Gitarren spielen in den Songs die tragischen Hauptrollen und konkurrieren mit verzerrten Klängen und schrägen Harmonien um die Wette. Die hypnotischen Drums (, die sich auf "The Deeper They Fall" in Marschtrommeln verwandeln,) übernehmen die treibende Funktion und verhindern, dass Langeweile aufkommt. Solitune arbeiten mit vertrackten, nicht konstanten Strukturen und wann immer man sich in den aufgelösten Kompositionen zu verlieren fürchtet, wird man von den Drums gerettet. Solitune zeigen auf "O.K. Rewind" auch ihre Vorliebe für vielfältige Tempiwechsel, die stets etwas unerwartet die Ohren umschwärmen. Obwohl sich ein paar Melodien in den Songs finden lassen, ist keine klare Intention oder Linie zu erkennen, was das Hörlerlebnis sicherlich interessant, aber auch recht kopflastig macht. Die Stücke zeugen allesamt von einer beinahe erdrückenden Düsternis. "O.K. Rewind" ist keine Musik für einen lauen Sommerabend oder der Soundtrack zu einer lustigen Geburtstagsfeier. Die vorherrschend apokalyptische Stimmung wird verstärkt durch die verzerrten, zuweilen schreiartigen Vocals, die auf der Hälfte der Stücke zu finden sind und die Gitarren perfekt ergänzen. Trotz Bruch mit den Konventionen lassen sie auf wundersame Weise eine Harmonie entstehen. Solitune sind ein eingespieltes Team, was auf jedem einzelnen Stück unmissverständlich klar wird, denn eine solche Intensität, wie sie auf "O.K. Rewind" zu hören und zu fühlen ist, erlangt man erst nach jahrelangem Zusammenspiel. Bei aller Experimentierfreudigkeit und Schrankenlosigkeit neigen die vier Jungs aber dazu, stets ein Motiv aus einem vorangegangen Stück wieder aufzunehmen und mehrmals zu verwenden, was eine Differenzierung der Tracks - trotz mehrmaligem, aufmerksamem Hören - etwas erschwert. Das Charakteristische eines jeden Stückes fehlt ganz klar. Solitunes sechs Rock-Gebilde stehen nämlich schon etwas allzu brüderlich in Reih' und Glied. Das Fehlen von mehr Melodie - obwohl sich dies in gewisser Weise durchaus auch als Vorteil zeigen kann - und gebändigten Strukturen legen zudem offen dar, was Solitune noch fehlt, um sich mit den ganz Grossen messen zu können. Trotzdem wage ich schon jetzt hier und da flüchtige Vergleiche mit Namen wie Secret Machines oder Explosions In The Sky (man betrachte nur deren Stück "A Poor Man's Memory" und Solitunes "The Deeper They Fall"...) anzustellen. Trotz aller Gutmütigkeit bleiben Sollitune aber - zumindest für den Moment - noch so etwas wie die kleinen Brüder der eben Genannten. Sie sind jedoch bekanntlich erst am Anfang ihres musikalischen Schaffens und wenn sie so weitermachen, dürfen sie sich eines Tages gewiss ebenbürtig auf dieselbe Ebene setzen. Kurzum: Solitune ist ohne Zweifel eine der vielversprechendsten Bands der Innerschweiz und hat mit "O.K. Rewind" eine solide und durchaus hörenswerte Publikation auf den Markt gebracht, die so manchen dunklen Winterabend zu versüssen vermag. Und der Rest kommt bestimmt noch. Seit 1. Januar 2005 im Handel. Anspieltipps: Declawed Indoor Cat, The Deeper They Fall similar artists: Secret Machines, Explosions In The Sky, Mogwai, Godspeed You Black Emperor > Hören und Kaufen > Offizielle Seite > Label Bio: Seit 1998 spielen Solitune in unveränderter Besetzung in einem alten Bauernhaus in Eschenbach. Dort entwickelten sie in nächtelangen Jams ihren Stil. Ab 2000 wagten sich Solitune damit an eine breitere Öffentlichkeit. Durch zahlreiche Konzerte in der ganzen Schweiz reiften sie zu einer intensiven und emotionalen Live-Band, die ihre Zuschauer mit eigenwilliger Rockmusik begeistert. Der Gang ins Studio Ende 2004 war die logische Konsequenz und im Januar 2005 wurde ihre erste EP "O.K. Rewind" veröffentlicht.  Diskographie: > O.K. Rewind (2005)
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