Genre: Pop, Trip Hop
Label: Kreativ-Sound-Studio
CH-Vertrieb: Eigenvertrieb
Unsere Wertung:
Too easy
Das vierte Studioalbum der Schweizer Trip Hop-Combo mit
Frontfrau wird als „hinreissende Reise durch eine märchenhafte
Musikwelt“ angekündigt. Diese PR-Verführung weckt wohl Neugier,
realistischerweise aber keine grossen Erwartungen.
„Too Late“ ist das Paradebeispiel schlechthin für refrain-o-zentrische Musik. Will heissen, dass die Songs im Prinzip nur für den Refrain leben, bzw. nur aus diesem bestehen. Alles rundherum ist mehr oder minder (also mehr) seelenlose Spachtelmasse, welche die klaffende Gehaltlosigkeit zwischen dem sich ständig wiederholenden Kehrreimchen verheimlichen soll. Neben der fehlenden Abwechslung der Kompositionen, die sich alle doch ziemlich stark ähneln, hinterlassen auch die Lyrics und die atmosphärische Dichte der Songs einen eher schwachen Eindruck. Eine Idee bezüglich Kreativität der Texte geben bereits die Songtitel, denen man in zehn von zwölf Fällen genau so oder in verdächtig ähnlichen Formulierungen bestimmt schon begegnet ist. Viel störender ist aber, wie simpel gestrickt „Too Late“ ist und dass man nur warten muss, bis der Refrain zum ersten Mal ertönt und dann den ganzen Song gehört hat. Ein derart durchschaubares Album kann den Hörer nie fesseln. Was da oft genug nach 80er/90er-Jahre Synthie Pop klingt, macht – nur weil’s im Downbeat-Tempo gespielt ist – noch lange keinen Trip Hop. Da hilft es auch nichts, dass Sweepline sich bewusst nicht auf einen Stil festlegen wollen. Wahrscheinlich wäre es sogar von Vorteil, wenn sie dies täten und diesen dann mit Konsequenz verfolgten, statt an der Oberfläche von Pop, Rock, Trip Hop, Ambiente oder Dum`n`Bass zu kratzen. So wird man von der Musik einfach nicht richtig erfasst. Oft hat man das Gefühl, dass die vier gerade gewaltig abgehen, aber ihre Leidenschaft nicht auf den Hörer übertragen wird. Schuld daran mag auch sein, dass Sängerin Deborahs Stimme für die energischeren Parts nicht kräftig genug ist und in diesen Passagen ein bisschen quietscht und würgt.
Grundsätzlich bedauert man, dass die Scheibe zu wenig durchdacht scheint, ihr eine gewisse Dichte fehlt. Man würde der Gruppe aber Unrecht tun, wenn man nicht auch ihre zweifelsohne vorhandenen Stärken erwähnte. Wenn die Songs denn schon nur einen Refrain zu bieten haben, so klingt dieser zumeist nicht übel. „Smiling Faces“ beispielsweise, ein simpler Ohrwurm im Stile von Molokos „Sing It Back“ hat das Potential zum Dancefloor-Füller. Und „Remember“, eine Ambient-Ballade, die sich als einziger Song deutlich vom Rest absetzt, ist mit seinem E-Gitarreneinsatz ein sehr charmanter Beweis, dass Sweepline es durchaus drauf haben.
Seit 1. Februar 2006 im Handel.
Anspieltipps: Smiling Faces
Trackliste: 1) Years Of Drought; 2) Last Time; 3) Smiling Faces; 4) Child; 5) Out Of My Head; 6) Remember; 7) As Soon; 8) Too Late; 9) Precious Disguise; 10) Cross; 11) I Know 12) Hold On
similar artists: Moloko, Tina Arena, Kylie Minogue, Groove Armada, Sophie Ellis Bextor
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite
Bio:
Sweepline wurde 1996 gegründet und konnte als erstes Ausrufezeichen der jungen Karriere 1999 den kleinen Prix Walo abräumen. Diese Auszeichnung führte sie in das kreative-Sound-Studio, in dem sie ihr Debütalbum aufnahmen. Hinter der italienisch-stämmigen Sängerin Deborah Caruso stehen Martin Weidemann (Gitarre), Marc Hemantha Hufschmid (Schlagzeug) und Matthias Weidemann (Bass und Elektronik). An ihrem vierten Album „Too Late“ arbeiteten sie rund drei Jahre. In dieser Zeit entstand auch ein Videoclip zu der Single „Smiling Faces“, das auf verschiedenen Schweizer Sendern zu sehen war. Wer sich selbst überzeugen will, dass es sich hier tatsächlich um eine Schweizer Band handelt, der verharre nach Ende des letzten Tracks weitere drei Minuten…