Der dritte Longplayer der Toenails verbindet wuchtigen Stoner
Rock mit eingängigem Songwriting und klingt gegenüber dem letztjährigen
„King Of The Mountain“ deutlich gereift.
Wer sich darüber aufregt, dass die Schoggihasen vor Ostern scheinbar jedes Jahr früher in den Verkaufsgestellen stehen, der kann mit den alten Hasen von Toenails Vorlieb nehmen - die machen gerade auf Western. „Gold Rush“ beginnt stilecht mit einem an Ennio Morricone angelehnten Spaghetti Western-Auftakt. „Diggin’ For Gold“ rockt dann gleich flott los: Eine catchy Hookline, eine prägnante Leadgitarre und die coolen Backing Vocals machen den Track zu einem gelungenen Opener. In einem Jahr kann viel passieren – die Toenails haben sich enorm weiterentwickelt, sowohl was Spielweise und Songwriting, als auch die Produktion angeht. Geblieben sind die Einflüsse aus dem Stoner Rock-Genre, was sich insbesondere im basslastigen, druckvollen Gitarrensound niederschlägt. Die Arrangements haben sich vom Desert Rock weiter in Richtung Step(pen)tanz entwickelt, will sagen, die Songs sind sehr zugänglich, schlüssig und nachvollziehbar arrangiert. Hier schlägt sich die Erfahrung von Lukas Speissegger deutlich nieder und sorgt dafür, dass dieses Vorhaben (meist) glückt. „I Wanna Be Free“ (mit Gigi Moto als Gastsängerin) ist ein weiterer gelungener Track - die Möglichkeiten der zwei Gitarren werden gut ausgeschöpft und rhythmisch kommt alles satt und treibend. Dies gilt auch gleich für den vierten Track „Oh Yeah“ – heftiges Kopfnicken unumgänglich. Ich vermisse insgesamt etwas den Wüstenstaub an den glänzenden Sporen; etwas Koyotenkacke am Stiefelabsatz wäre dem Western-Image durchaus zuträglich, so wirkt für mich die Musik wie auch die Bandfotos etwas zu poliert.
Gesanglich sind die Toenails weniger stark bestückt als instrumental – alle Vocals sind zwar sehr ausgefeilt und gut umgesetzt, letztlich fehlt es einfach der Stimme etwas an Prägnanz, Druck und – ja – Dreck. Der teils recht auffällig mitschwingende Schweizer Akzent ist zwar kein grobes Übel, vermag aber auch nicht gerade den Hörkomfort zu steigern. Ausserdem dürfte ein Blick auf die Songtitel genug Aufschluss darüber geben, welche Themen bei den Toenails abgehandelt werden. Man könnte meinen, dass die Stoner Rock-Schiene dazu verpflichtet…fairerweise muss man den Toenails zugute halten, dass das ganze Image konsequent und auch auf optisch ansprechendem Niveau durchgezogen wird; dies scheint sich im Hause FFRecords so zu etablieren und ist insgesamt auf jeden Fall als Plus zu werten.
Der gut gewählten Tracklist sei Dank, entlässt die Platte den Hörer dann doch mit einem breitem Grinsen: Die beiden letzten Tracks (vor dem Spaghetti Western-Outro) „Gringo“ und „The Desert Plays Tricks On My Mind“ sind beide auf ihre eigene Weise sehr gelungen. Erstgenannter ist ein Up-Tempo-Kracher, wieder mit coolem Groove, bereichernder Lead-Klampfe und eingängigem Refrain. „The Desert…“ ist ebenfalls mitreissend, groovt aber völlig anders, kommt cool und relaxt, wirkt etwas mehr erspielt als kopfgeboren und hat mehr Zeit um Wirkung zu entfalten. Ein gelungener Abschluss. Job erledigt, Verstärker raucht, Opfer taub. Live dürften die neuen Songs der Toenails fantastisch funktionieren…man darf sich freuen!
Seit 9. Februar 2007 im Handel.
Anspieltipps: Diggin’ For Gold; Gringo; The Desert Plays Tricks On My Mind
Trackliste: 1)Prelude: When The Devil Comes To Town; 2) Diggin’ For Gold; 3) I Wanna Be Free ; 4) Oh Yeah; 5) Star; 6) Killer; 7) I Met A Girl On The Way To Hell; 8) Baby Yeah; 9) Rock’n’Roll Singers Always Get The Girls; 10) Dry Land; 11)Gringo; 12) The Desert Plays Tricks On My Mind; 13) Closing: Back In Prison
similar artists: Fu Manchu, Gluecifer,
Queens Of The Stone Age
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Bio:
Die Gründung der Toenails liegt bereits sechs Jahre zurück – im Jahre 2001 nahm das Trio die EP „Desert Sun“ auf und spielte im heimischen Engelberg ihr erstes Konzert im „Grünenwald“. Nach der Demoaufnahme „Amigos Del Desierto“ und der Single „Moped Superstar“ (beide 2003) folgte im Jahre 2004 der erste Longplayer „We’ve Got The Right To Rock’n’Roll“.
Lukas Speissegger, dazumals noch aktiv bei HNO, produzierte 2005 das zweite Album „King Of The Mountain“, dieses erscheint Anfangs 2006 beim Aarauer Label FFRecords. Die Band spielt im Laufe der Jahre etliche Konzerte, vor allem in der Deutschschweiz, wo sie beispielsweise im Abart (Zürich), im Kiff (Aarau), und am Heitere Open Air (Zofingen)auftraten. Die fruchtbare Zusammenarbeit mit Lukas Speissegger nimmt im Jahre 2006 dermassen Gestalt an, dass dieser unter dem Psyeudonym „Lowrider“ das Line-Up der Band zum Quartett ausweitet – unter seinen Fittichen wird das aktuelle Album „Gold Rush“ produziert. FFRecords veröffentlichten nun das dritte Album der „Toenails“ im Februar 2007.