Auf seinem zweiten Album rockt uns Urban Junior
„fadegrad“ und mit viel Herz seine kurzweiligen Geschichten um die
Ohren. Insbesondere live eine explosive Mischung.
Urban Junior ist die eierlegende Wollmilchsau. Wollmilchwildsau, um genau zu sein. Mit Gitarre Schlagzeug, Megaphon und auf dem neuen Longplayer auch trashigem Synthesizer haut er dem geneigten Hörer seine meist kurzen Geschichten um die Ohren. Die Scheibe wirkt frisch, sie rockt, macht gute Laune, geht in die Beine und klingt auch produktionstechnisch sehr ansprechend. Das Rezept ist simpel: Dreckiger Gitarrensound hier, angezerrte Vocals da, dazu "preiswerte" Synthesizerklänge und ein aufs Maximum reduzierter Hau-drauf hau-ruck-Beat, so wie sich das für eine One Man Rockshow gehört.
Die ersten Songs des Albums wie "E.B.O.M.B", "See You In Hell" und "Ah Ah Ah Ah" funktioniert das alles noch ganz gut, "Shut Up And Dance" kommt dann mit Sirene im Refrain, die ich zwar irgendwie schon cool finde, irgendwie aber 15 Jahre nach Ice T's Debutalbum mit Body Count doch langsam zur Genüge gehört habe. Natürlich ist das jetzt wieder so Kritikersenf, der einfach dazu gegeben werden muss, live am Konzert käme ich weniger auf diese Idee.
Wenn ich mir die Urban JR daheim anhöre, kriege ich aber bald etwas Mühe, so steht in meinen Notizen bei Song 5 ("Choo Choo Train"): "Synthie wie Song 2". Das wiederholt sich dann in ähnlicher Manier noch ein paar Mal, die Aufmerksamkeit die ich anfangs den Songs noch gerne schenke, kriegt mit zunehmender Spieldauer den bitteren Beigeschmack von Arbeit. So erbittert genehmige ich mir ein Kompensationsfeldschlösschen und siehe da: Es hilft. Ohne geisthaltige Getränke finde ich die ruhigeren Songs sehr angenehm, beispielsweise "Desperate Man", "Day Off" (beide ohne Synthesizer) und "Time Is On Your Side" (nur Gitarre und Gesang). Ich denke mir, mit der Elektronik hätte man, zugunsten von mehr Vielfalt in Form ruhigerer Tracks wie den Genannten, etwas sparsamer umgehen können. "Techno is dead", der letzte Track, der die CD auf eine Gesamtspielzeit von 45 Minuten hievt, dauert zehn Minuten und wird seinem Namen gerecht. Für dieses Synthie-Geblubber habe ich dann doch keine Kompensationsmittel zur Hand – ein übler Filler!
Eine Wertung macht differenziert am meisten Sinn. Für das Konzept "Urban Junior One Man Band" und den Unterhaltungsfaktor live gebe ich 4.5 Punkte, weil mir scheint, dass es ein ziemlich idealer Rahmen für Stefan Frühmorgen ist, seine Entertainerqualitäten auszuleben und er diesen Rahmen auch ansprechend ausfüllt. Für das Hörvergnügen der Scheibe an sich, kann ich trotz einiger Highlights nicht mehr als zwei Punkte zusammenkratzen. Macht nach Adam JR drei komma fünf.
Seit 13. April 2007 im Handel.
Anspieltipps: See You In Hell; Ah Ah Ah Ah; Desperate Man
Trackliste: 1)E-B.O.M.B; 2) See You In Hell; 3) Ah Ah Ah Ah; 4) Shut Up And Dance; 5) Choo Choo Train; 6) Ready Set Go; 7) Desperate Man; 8) Sweet Johnny Suicide; 9) When I’m With You; 10) Day Off; 11) Touch; 12) Oh Yeah; 13) Jesus Between Her Legs; 14) Time Is On Your Side; 15) Techno Is Dead
similar artists: klingt wirklich wie eine Electro-Blues One Man Band
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Bio:
Ich kann mich vage erinnern, Stefan Frühmorgen ca. 1991 im Hardöpfu-Chäller in Schöftland (das ist im Suhretal, südlicher Aargau) auf der Bühne gesehen zu haben. Mit dieser Band, die später den Namen HNO trug, hat er als Sänger und Gitarrist im In- und Ausland beachtliche Erfolge gefeiert. HNO sind mittlerweile Geschichte und Frühmorgen schickt sich an, die Welt unter dem Namen „Urban Junior“ unsicher zu machen und vielleicht zu erobern.
Seine als Frontmann erarbeiteten Qualitäten kann er beim aktuellen Projekt als One Man Band auf jeden Fall voll ausleben. Urban Junior ist ein fleissiger Live-Musiker, der an allen möglichen und unmöglichen Orten auftritt und definitiv Vollgas gibt. Zu den Highlights gehören vermutlich die Auftritte im Ausland, zum Beispiel in England (im Rahmen eines One Man Band Festivals).
Nach dem Debut „Music For The Asses“ (2005) und verschiedenen Compilation Beiträgen im Jahre 2006, erschien eben im Frühling 2007 das zweite Album „E-B.O.M.B“, was Electro-Blues One Man Band meint. Der Name ist Programm.