Vieles gleich gemacht und doch mehr erreicht – William White überzeugt mit seinem neuen Album.
Nicht unterschiedlicher könnten sie sein, die Umstände, unter denen das Debüt „Undone“ vor zwei Jahren und nun das nachfolgende „Evolution“ aufgenommen wurden. Der schwere finanzielle Druck, dem William White vor einigen Jahren noch ausgesetzt war, entfiel nach dem Release von „Undone“ – der Winterthurer konnte sich ausschliesslich auf die Musik konzentrieren und musste nicht anderen Jobs nachgehen, um seine Familie über die Runden zu bringen. Irgendwie erstaunlich ist unter diesen Umständen, dass William White die Aufnahmen zum Zweitwerk genau gleich anging: Wieder verzichtete er auf einen Produzenten und spielte den Grossteil der Instrumente (akustische Gitarre, Keyboard, Drums, ...) selbst ein – damit Gefahr laufend, dieselbe Eintönigkeit, an der das Debüt etwas krankte, wieder hervorzurufen. Wenn White aber im titelgebenden Opener „Evolution“ deutlicher als je zuvor seine Liebe zur Soulmusik offenbart, sind solche Befürchtungen schnell vergessen. Auch die erste Singleauskopplung „Can't Stop Loving You“ ist soulgetränkt, macht dabei zwar einige Zugeständnisse mehr an die Massentauglichkeit, überzeugt aber trotzdem.
William White hat sich ganz passend zum Titel des Albums weiterentwickelt, und das schlägt sich auch in ausgereifterem Songwriting und spannenderem Spiel im Allgemeinen nieder. Der stärkste Song dürfte „Mellowson“ sein, zudem ist das auch der Titel, bei dem die meisten Musiker mitgewirkt haben und dementsprechend herausragt. Gerade anhand eines solchen Stücks, dem dank mehreren Bläsern viel Drive verpasst wird, mag durchaus der hoffende Wunsch aufkommen, auf einem nächsten Album den einen oder anderen Langweiler durch ideenreichere, schlicht frischer wirkende Stücke von solchem Schlage ersetzt zu sehen.
„Someone to hold you“ zum Beispiel ist ein bluesiges Stück, das William White im Alleingang aufgenommen hat – und ist mit mehr als fünf Minuten Laufzeit deutlich zu lange für die wenigen Ideen. Meist klappt's aber, so bilden die zwei herausragend gelungenen Solo-Stücke „Try a little love“ und „All in all“ schwerwiegende Argumente dafür, dass eben doch alles gut ist, so wie's ist.
Herausgehoben werden darf auch “Sweet Love“, bei dem die rar gewordenen Reggae-Elemente am deutlichsten hervortreten. An sich zwar eher langweilig, sorgt das Stück im Album-Kontext für Vielfalt und fügt sich dennoch perfekt neben die anderen Titel ein. Abschliessend zitiert sich White noch selbst in „If only I could“, das mit besonders hübschem Flötenspiel das Album aus- und nachklingen lässt. Dass William White auf „Evolution“ einige Mal etwas uninspiriert wirkt und oft zu kantenlos bleibt, verhindert zwar den wirklich grossen Wurf, aber trotzdem lässt sich erahnen, dass jener nicht mehr fern sein kann.
Seit 15. Februar 2008 im Handel.
Anspieltipps: Evolution, Mellowson, Try a little love, All in all
Trackliste: 1) Evolution; 2) Can't stop loving you; 3) Someone to hold you; 4)Just for me; 5) Mellowson; 6) Try a little love; 7) Time to make a change; 8) Sweet love; 9) Take it or leave it; 10) Sweet soul loving; 11) All in all; 12) Mercy; 13) If only I Could
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Bio:
1973 kommt William White auf der karibischen Insel Barbados zur Welt und wächst dort auf einer Farm auf. Im Alter von zwölf Jahren beginnt er Gitarre zu spielen und wenig später auch damit, eigene Songs zu schreiben. Als er 19 Jahre alt ist, zieht er in die Schweiz, wo seine Mutter geboren wurde. In der Schweiz beginnt William White zu studieren, betätigt sich zur gleichen Zeit in diversen Formationen als Musiker und entschliesst sich schlussendlich dazu, professioneller Musiker zu werden. Mit der Band Liz Libido veröffentlicht White zwei Alben. Trotz Auftritten in der ganzen Schweiz blieb der grosse Erfolg aus und die Band löste sich auf – William White's Frau ermutigt ihn dazu, weiter auf die Musik zu setzen und sollte ihn auch später immer wieder unterstützen. Der Winterthurer entschliesst sich zu einer Solo-Karriere. Ohne Plattenlabel und Produzenten im Rücken spielte er 2004 sein erstes Solo-Album „Undone” ein. William White, unterdessen Vater geworden, lebte mit seiner Familie in dieser Zeit vom Sozialamt in Winterthur und konnte auf die Unterstützung von Freunden zählen, musste aber auch Teilzeitjobs nachgehen, um über die Runden zu kommen. Im Februar 2005 erschien ”Undone” schliesslich, die zwei ausgekoppelten Singles wurden auf verschiedenen nationalen Radiosendern gespielt und William White konnte erste Erfolge einbuchen, so gewann er unter anderem auch den Förderpreis der Stadt Winterthur, das Album mauserte sich zum Verkaufserfolg. Nun fähig, von der Musik zu leben, konnte sich William White auch hauptsächlich auf die Musik konzentrieren und spielte live mit Band in der ganzen Schweiz und dem nahen Ausland. Im Frühjahr 2008 erscheint sein zweites Album.